Stillstreik oder Brustschimpfphase: was ist das und wie lange dauert es?

Stillstreik_Brustverweigerung

Bevor dein Baby einer Gewerkschaft beitritt, ist es noch etwas weit hin. Doch so klein sie noch sind, manche Babys streiken tatsächlich – und zwar wenn es um die Brust geht! Ja, du hast richtig gelesen. Wenn dein Baby plötzlich nicht mehr trinken will, spricht man tatsächlich von einem Stillstreik bzw. der sogenannten Brustschimpfphase. Was genau es damit auf sich hat und was du tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Wie äußert sich ein Stillstreik?

Wenn dein Baby unter einem Jahr plötzlich die Brust verweigert, obwohl bis dahin alles prima lief, sich beim Anlegen auf einmal dreht und wendet bzw. heftig zu schreien beginnt, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Stillstreik. Diese Art der Brustverweigerung ist nicht zu verwechseln mit dem Wunsch des Babys, nicht mehr gestillt werden zu wollen. Das Abstillen erfolgt immer progressiv bzw. dass ein Baby abgestillt werden möchte, zeigt sich niemals auf eine so abrupte Verweigerung.

Welche Ursachen hat eine Brustverweigerung?

Die Ursachen für einen Stillstreik sind vielfältig:

  • Manchmal liegt es daran, dass dein Baby erkältet ist und die Nase zu. Es kann so beim Stillen schlechter atmen. Vielleicht leidet es auch unter einer schmerzhaften Mittelohrentzündung oder Halsschmerzen.
  • Sind deine Brustwarzen entzündet und du leidest unter Juckreiz, Rötungen, weißen Belägen oder schuppiger Haut, könntest du dir einen Brustpilz eingeholt haben. Das würde erklären, dass dein Baby plötzlich nicht mehr trinken will.
  • Vielleicht leider auch dein Baby unter einer Entzündung der Mundschleimhaut und verweigert aus diesem Grund die Brust
  • Eine gravierende Veränderung der Stillumgebung (Umzug, Lärmpegel, Reise, Streit) kann ebenfalls die Stillgewohnheiten negativ beeinflussen
  • Du hast etwas gegessen, was deinem Baby so gar nicht schmeckt und deine Milch ist nicht so wie immer
  • Dein Baby reagiert mit Abneigung gegen ein neues Parfüm, Duschgel oder Bodylotion
  • Du bekommst wieder deine Tage und durch die Hormonumstellung hat sich der Geschmack der Muttermilch verändert
  • Oder eine erneute Schwangerschaft? Auch hier verändern sich die Hormone und die Milchproduktion geht zurück
  • Dein Baby bekommt gerade einen Zahn und hat Schmerzen beim Saugen

Wie lange dauert ein Stillstreik ?

Die Dauer des Stillstreiks ist recht variabel. Manchmal ist er bereits nach 24 Stunden überstanden, manchmal dauert er bis zu zwei oder drei Wochen.

Es ist also wichtig, den Grund für die Brustverweigerung zu identifizieren, um entsprechend handeln zu können. Liegt es lediglich am neuen Deodorant oder der extravaganten Bodylotion dürfte der Streik schnell beendet sein und alles beim Alten, sobald du auf deine alten Gewohnheiten zurückgekehrt bist. Liegt es jedoch an einer Hormonumstellung oder einer (Pilz)Infektion, kann sich der Stillstreik entsprechend auch in die Länge ziehen.

 

Ab wann wird der Stillstreik gefährlich?

Gefährlich wird der Stillstreik dann, wenn dein Baby nicht mehr genug Flüssigkeit bzw. Nahrung zu sich nimmt und deshalb an Gewicht verliert. Gehe also auf jeden Fall zum Arzt, zu deiner Hebamme oder zur Stillberatung, um schnell den möglichen Grund für die Brustverweigerung ausfindig zu machen und zu beseitigen. Damit dein Kind dennoch weiter trinkt und du einen Milchstau vermeidest, pumpe deine Milch auf jeden Fall ab und versuche sie auf anderem Weg deinem Baby zu füttern. Eventuell nimmt es die Flasche, den Trinkbecher oder per Löffel.

Was tun bei einem Stillstreik?

Du solltest auf jeden Fall ruhig bleiben. Denn Babys saugen Mamas Gemütszustand wie ein Schwämmchen auf. Reagierst du gestresst und angespannt, wird sich das schnell auf dein Baby übertragen und die Situation womöglich noch verschlechtern.

Manchmal hilft es, ganz viel Hautkontakt herzustellen und mit deinem Baby intensiv zu kuscheln. Vielleicht gefällt ihm auch ein entspannendes Bad zusammen. Oder du versuchst eine neue Stillposition, bietest ihm die Brust dann an, wenn es besonders motiviert erscheint, trinken zu wollen.

Was ist der Unterschied zu einer Saugverwirrung?

Auch eine Saugverwirrung ist eine Art Bruststreik. Sie findet in der Regel dann statt, wenn Baby nicht richtig an der Brust trinken bzw. die Milch nicht richtig aus der Brust saugen kann und es aus diesem Grund letztlich zu einem Streik kommt. Die Verwirrung wird oft durch die Gabe eines Schnullers oder Fläschchens ausgelöst. Durch sie verlernt das Baby sozusagen seinen angeborenen Saugreflex.

Die Saugverwirrung tritt häufig in den ersten Lebenswochen von Baby auf. Der Lernprozess des Saugens an der Brust ist noch relativ frisch. Kommen dann weitere „Saugprodukte“ wie zum Beispiel Schnuller oder Babyfläschchen hinzu, kann das Baby leicht verwirrt werden. Wird also der natürliche Reflex verlernt, weil er noch nicht richtig sitzt, kommt es dazu, dass Baby die Brust verweigert.

Welche Ursachen gibt es für eine Saugverwirrung?

Manchmal wird durch Schnuller, Stillhütchen oder Fläschchen gerade am Anfang des Stillens die Brust nicht ausreichend durch das Saugen des Babys stimuliert und zu wenig Milch produziert. Das wiederum führt dazu, dass Baby nicht richtig trinken kann und deshalb frustriert die Brust ablehnt.

Nicht immer liegt aber eine Saugverwirrung oder ein Saugstreik vor, wenn Babys Mamas Brust verweigern. Manchmal sind sie einfach nur sehr müde oder eine Krankheit steckt dahinter und hindert das Baby am Trinken.

Wie kann man eine Saugverwirrung vorbeugen?

Gerade am Anfang sollten Schnuller und Fläschchen nur in Maßen eingesetzt werden. Als Faustregel kann man sich merken: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich!

Achte darauf, dein Baby beim Stillen richtig anzulegen. Manchmal steckt auch ein Anlegefehler dahinter, wenn Baby nur an der Brust nuckelt, statt richtig zu trinken.

Solltest du Milch abpumpen müssen, ist es ratsam, den Sauger deines Fläschchens in Brustwarzenform zu wählen.

Und falls du um ein Stillhütchen nicht herum kommst, kannst du gerade am Anfang mit einer Milchpumpe deine Milchproduktion anregen. Wähle für kurz nach der Geburt die kleinste Größe deines Stillhütchens, damit es nicht zu groß ist für Babys kleinen Mund und achte darauf, es immer richtig anzusetzen, damit ein Vakuum entsteht und so dein Baby beim Trinken nicht überanstrengt wird.