Kita oder Tagesmutter – was sind die Unterschiede?

Kita oder Tagesmutter

Häufig müssen oder wollen heute beide Elternteile wieder arbeiten, bevor ihr Kind 3 Jahre alt ist. Dabei steht die Frage an, wer die Kinderbetreuung übernehmen kann. In einigen Fällen springen Oma oder Opa ein oder man engagiert ein Au-pair. Gängiger ist jedoch, dass die Kleinsten von einer Tagesmutter bzw. einem Tagesvater betreut werden oder in die Kita kommen.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Welche Bedingungen eine Tagesmutter / ein Tagesvater erfüllen muss.
  • Die Vor- und Nachteile der Betreuung durch eine Tagesmutter / einen Tagesvater
  • Die Vor- und Nachteile der Betreuung durch die Kita / die Krippe

Welche Bedingungen muss eine Tagesmutter / ein Tagesvater erfüllen?

Die Chance einen Betreuungsplatz in einer Kita oder Krippe für ein unter 3-jähriges Kind zu bekommen wird immer schwieriger. Wenn du dann auch noch einen Platz in einer Kita mit bestimmter pädagogischer Ausrichtung oder bestimmten Essenswünschen für dein Kind suchst, kannst du eher auf einen Sechser im Lotto hoffen, als darauf, solch einen Platz zu bekommen.
Aus diesem Grund nutzen Eltern heutzutage vermehrt das Betreuungsangebot von Tagesmüttern. Diese sind rechtlich gleichrangig mit der Kitabetreuung und zählen zur Kindertagespflege.

Wer kann eigentlich alles Tagesmutter / -vater werden?

  • Die Bedingungen, um Betreuungsplätze als Tagesmutter anbieten zu dürfen, sind pro Bundesland verschieden. Viele Bundesländer setzen folgende Bedingungen voraus, die vom Jugendamt geprüft werden.
  • Die Person muss ein erweitertes Führungszeugnis zum Kinder- und Jugendschutz und ein Dokument über einen Erste-Hilfe-Kurs vorlegen
  • Sie muss vorweisen, dass sie sich als Betreuungsperson für Kinder eignet. Glaubhaft muss sie daher nachweisen, dass sie einen liebevollen, gewaltfreien Umgang mit Kindern pflegt und über bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie physisch und psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein, Ausgeglichenheit usw. verfügt. Auch das Interesse an Fortbildungen muss sie mitbringen.
  • Eine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung absolvieren, die ca. 160 Stunden umfasst. Die Ausbildung beinhaltet neben Themen zur Kindertagespflege, Förderung von Kindern, Entwicklung von Kindern, Betreuung von Kindern, Erziehung, besondere Herausforderungen, Bildung und die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Tagesmutter.
  • Sie muss zudem jährlich an Fortbildungen, im Umfang von mindestens 20 Stunden, teilnehmen.
  • Sie muss sichere, kindgerechte Räumlichkeiten (Spiel- und Schlafflächen) und Materialien für die Kinder zur Verfügung stellen können. Auch Freiflächen, wie Wald, Spielplatz etc. müssen sich in erreichbarer Nähe befinden.
  • Das Essen, was sie den Kindern anbietet, muss unter hygienischen Bedingungen zubereitet, ausgewogen und nahrhaft sein. Natürlich muss es den Kleinen auch schmecken.

 

Erfüllt sie diese Voraussetzungen, bekommt sie eine Erlaubnis* maximal fünf Kinder gleichzeitig zu betreuen. Dabei sind ihre eigenen Kinder nicht mit inbegriffen. In einigen Bundesländern kann eine Tagesmutter auch mehr als 5 Kinder gleichzeitig betreuen, wenn sie eine bestimmte pädagogische Ausbildung absolviert hat.

In vielen Punkten gelten für die Tagesmütter / -väter das Gleiche wie für die Kita. So sind der Bildungs- und Erziehungsauftrag derselbe. Beide haben in der Regel ein pädagogisches Konzept ausgearbeitet, an dem sie sich orientieren. Dein Kind wird in beiden Einrichtungen seine sozialen Kompetenzen durch andere Kinder erweitern und es wird auf Kinder unterschiedlichen Alters treffen und von ihnen lernen können.
Auch die Anzahl der Infekte, die dein Kind mit nach Haus bringt, wird oder die bei der Betreuung auftreten, werden ähnlich viele sein.
Im Krankheitsfall der Betreuer weist auch keine Betreuungsart einen Vorteil auf. Tagesmütter sind hier den Kitas gesetzlich gleichgestellt. Da das Jugendamt, das normalerweise den Tagesmüttern eine Vertretung zuweist, häufig so überlastet ist, dass sie nicht dazu kommen, solltest du jedoch darauf achten, dass die Tagesmutter auch selbst für eine Vertretung gesorgt hat, um am Ende nicht selbst die Betreuungsvertretung für dein Kind übernehmen zu müssen.

Jetzt weißt du, was eine Tagesmutter bzw. ein Tagesvater für Voraussetzungen erfüllen muss und inwiefern sich Tagesmütter und Kita gleichen, aber welche Vor- und Nachteile bringt die Betreuung durch eine Tagesmutter mit sich?

Vor- und Nachteile der Betreuung durch eine Tagesmutter / einen Tagesvater

Tagesmütter bzw. -väter betreuen dein Kind in einer kleinen Gruppe in ihren eigenen Räumen. Sie passen meist auf zwei bis fünf Kinder des gleichen oder verschiedenen Alter auf. Manchmal betreuen sie zur gleichen Zeit auch noch ihre eigenen Kinder.

Vorteile der Betreuung durch eine Tagesmutter / einen Tagesvater

  • Guter Betreuungsschlüssel (meist 1:5)
  • Niedrigere Lautstärke: Durch die kleinere Gruppengröße bedingt.
  • intensivere Betreuung, da der Betreuungsschlüssel geringer ist
  • meist flexiblere Betreuungszeiten
  • Familiärer Tagesablauf
  • Eine persönliche Bezugsperson für dein Kind

Nachteile der Betreuung durch eine Tagesmutter / einen Tagesvater

  • meist höhere Kosten
  • Schwierigkeiten bei Beurteilung der Betreuungsperson
  • Formung deines Kindes von einer Person abhängig
  • Keine Kontrolle der Tagesmutter durch andere Betreuer, so ist die Qualität der Betreuung nur von ihr abhängig
  • geringeres Aktivitätsangebot zur gleichen Zeit

 

Vor- und Nachteile der Betreuung durch die Kita / Krippe

In der Kita bzw. Krippe können zum Teil bereits Kinder ab drei Monaten betreut werden. Neben staatlichen Einrichtungen gibt es hier auch Elterninitiativen, die sich neben anderen Punkten auch häufig bezüglich des Betreuungsschlüssels unterscheiden. Häufig ist im gleichen Gebäude auch der Kindergarten, in den dein Kind meist problemlos mit drei Jahren wechseln kann. Ab und zu gibt es auch bereits gemischte Gruppen von U3- und Ü3-Kindern, bei denen dann ein Eingewöhnung in den Kindergarten komplett wegfällt.

Vorteile der Betreuung durch Kita / Krippe

  • Kontakt zu vielen anderen Kindern
  • Viele interessante Beschäftigungs- und Lernangebote werden geboten (Da es mehr Betreuer gibt, können mehr Angebote gleichzeitig stattfinden und dein Kind kann sich selbst etwas aussuchen, was es interessiert)
  • Dein Kind kann sich seine Bezugsperson unter den Erziehern selbst aussuchen
  • Gegenseitige Qualitätskontrolle der Betreuer
  • Der Übergang in den „hauseigenen“ Kindergarten ist meist wesentlich leichter

Nachteile der Betreuung durch Kita / Krippe

  • Meist schlechterer Betreuungsschlüssel als bei einer Tagesmutter
  • Schüchterne Kinder gehen eventuell leichter unter oder sind überfordert
  • Lange Wartezeiten auf einen Platz
  • Häufig feste und unflexiblere Betreuungszeiten

 

Vielleicht kann dir Auflistung der Vor- und Nachteile der Betreuung durch Kita und Tagesmutter helfen, dich für eine der beiden Betreuungsangebote zu entscheiden.

Falls dies nicht der Fall ist, schau dir doch einfach mal einige Kitas und Tagesmütter an oder sprich mit Freunden und Verwandten, die bereits Erfahrungen in dem Bereich sammeln durften.

Du solltest dir auch überlegen, was dir für die Betreuung deines Kindes wichtig ist. Legst du Wert auf eine bestimmte Art des Essens, das Bewegungsangebot oder eine bestimmte pädagogische Ausrichtung?
Du kannst bei der Entscheidungsfindung auch den Charakter deines Kindes mit einfließen lassen. Ist dein Kind eher schüchtern, könnte vielleicht eine familiäre Atmosphäre bei einer Tagesmutter punkten. Ist es jedoch sehr aufgeschlossen und hat gern viele Kinder um sich herum, kann die Kita die bessere Wahl sein. Nimm dein Kind auf jeden Fall beim Kennenlernen der Tagesmütter oder Kita mit. Schau dir an, wie es sich dort verhält und achte darauf, ob die Chemie zwischen Betreuerin und deinem Liebling passt.

Bedenke auch, dass deinem Kind zwar mit drei Jahren in Deutschland ein Betreuungsplatz im Kindergarten zusteht, es jedoch nicht heißt, dass du dir diesen dann aussuchen kannst. Hier ist es oft so, dass die Kinder, die bereits in der U3-Gruppe der Einrichtung sind, einen Vorteil den externen Kindern gegenüber haben und somit beim Kindergartenplatz bevorzugt werden. Auch eine neue Eingewöhnung kann dann entfallen oder kürzer ausfallen, weil es z.B. das Außengelände und einige Kinder schon kennt, mit denen es zusammen in den Kindergarten kommt.

Am Ende solltest du wohl auf dein Bauchgefühl hören. Denn leider kannst du nicht vorhersagen, was für dich und deinen Liebling wirklich die beste Betreuung ist.

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*Die Erlaubnis gilt für 5 Jahre. Sie wird demnach alle 5 Jahre wieder vom Jugendamt überprüft.